A day to remember

„Superspazi“ klingt nach einer netten Tour zum Aufwärmen, Schwierigkeit sollte auch passen… Also Friends und Keile an den Gurt hängen und losklettern. Ich lege einen „Bomberkeil“ und wuchte mich auf das Podest, das unter dem eigentlichen Riss aus der Wand steht. Oje – der Riss ist viel zu breit und zu offen um hier ordentlich Gear platzieren oder sich anhalten zu können. Ich probiere es mal über die Kante daneben. Verdammt, nur kleine, dreckige Leisten an denen ich nicht hoch genug komme um den offenen Riss zu überlisten. Abklettern ist auch nicht mehr möglich, also springe ich aus der Wand zurück auf den Absatz und hoffe, dabei nicht vom Podest zu fallen. Kurz Luft holen, neuen Mut schöpfen und nochmal rein. Wieder dieselbe Sackgasse und ich springe nochmals zurück auf das Podest. „Abklettern und Gear wieder raus“ lautet schlussendlich die Devise. Ein kurzer Blick ins Topo gibt zeigt mir dann die Lösung – Offwidth!

Aufgewärmt bin ich nun und der Riss nebenbei schaut aus als wäre er eher nach meinem Geschmack. Das Klettern geht gut und mein Selbstvertrauen kehrt langsam wieder zurück – doch nicht lange. Beim Abbauen der mobilen Sicherungsmittel gibt’s dann Probleme. Zwei Keile stecken so fest, dass ich sie einfach nicht rausbekomme. Fluchen und ärgern hilft nichts also wird abgeseilt, ein Stein geholt, wieder rauf geklettert und ordentlich auf den Nutter geklopft, bis die beiden Keile endlich raus gehen.

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dsc00580Etwas unschlüssig, ob der Klettertag heute noch etwas wird, gehen wir bis zum obersten Sektor. Ich gebe dem Tag noch eine Chance, probiere eine Risslinie und siehe da, die Kletterei ist extrem gut und ich bekomme mein Selbstvertrauen und die Motivation für neue Risse zurück. Genauso sollte die Kletterei immer sein!

Weiter geht´s zum “Crack a go go”. Diesen Riss schaue ich schon seit unserem Eintreffen in Cadarese an. Der Riss scheint aus einer endlosen Aneinanderreihung von Henkeln zu bestehen, etwas offen und ziemlich lang. Das muss ich einfach probieren! Die ersten 10 Meter gehen gut aber das Platzieren der Friends kostet viel Power und meine Unterarme sind extrem gepumpt. Nach weiteren 5 Metern Hand- und Fingerklemmern bin ich am Ende und muss das selbstgelegte Material testen. Ich arbeite mich Stück für Stück nach oben. Nach einer gefühlten Stunde bin ich beim Umlenker angekommen und extrem platt. Raus mit dem Zeug und weg von dem Riss – zumindest für heute.

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Mit so einer Niederlage kann ich den Tag einfach nicht beenden und ich installiere mir noch ein Toprope bei einem richtig harten Riss. Nach 3 mal hinaufkraxeln bin ich endgültig am Ende – die Handrücken sind vom Jammen blutig, die Füße schmerzen vom ständigen Verdrehen und ich habe Hunger. Den Gedanken an eine gemütliche Jause verwerfe ich gleich wieder – die wurde bereits am Vortag vernichtet und die nächste Einkaufsmöglichkeit ist ewig weit weg. So schön kann Urlaub sein!

Die Jause fällt also flach und es gilt, die Vorzüge von Cadarese auszunützen – der Parkplatz des Klettergebietes ist identisch mit dem Parkplatz für die dortige Therme, die mit einer Wassertemperatur von 38° aufwarten kann. Beim Entspannen im warmen Wasser werden die Strapazen der Kletterei schnell vergessen.

Abends surrt dann der Benzinkocher vor unserem Auto während wir auf den Crashpads sitzen und zufrieden ins Tal blicken. Anstatt eines 3 Gänge-Menüs gibt es wiedermal Nudeln und dazu Wein aus dem Plastikbecher. Der endlos scheinende Sternenhimmel und die Stille im Tal entschädigen für alles und ich weiß, dass es keine schönere Hochzeitsreise geben könnte.

Oberalp Athletenmeeting

Wie bereits in den letzten Jahren, lud auch heuer mein Sponsor, die Oberalp Group, zum Athletenmeeting ein.

Am Programm standen Vorträge über die Zukunft des Handels, Veränderung der Social Media Plattformen, Leistung durch Beweglichkeit inklusive Übungseinheit mit Faszienrolle und Bällen. Kombiniert mit jeder Menge guter Gespräche mit den anderen Athleten, guter Verpflegung und der einzigartigen Location am Bergisel ließ diesen Tag wieder einen Besonderen sein. Vielen Dank für die Unterstützung!

Tom Bause - Photography

Tom Bause – Photography

Tom Bause - Photography

Tom Bause – Photography

Tom Bause - Photography

Tom Bause – Photography

Windlegergrat

Ich weiß nicht genau, woher sein Sinneswandel kam, aber seit einigen Wochen war Christoph plötzlich auch dafür, diese Tour zu klettern und wir warteten gemeinsam auf das passende Schönwetterfenster. Auf den Windlegergrat bin ich durch Zufall gestoßen – beim lieblosen Durchblättern eines Kletterführers las ich die Zeilen „längster Grat der Ostalpen“ und hörte gleich danach die abwertenden Worte „des is sicha nix für di, sowas wü man net krein“. Kaum hörte ich die mahnenden Worte des großen Bruders, sagte ich mir: Jetzt erst recht! Da ich den Grat bei guter Fernsicht von daheim aus sehen kann, kehrten meine Gedanken immer wieder an den Windlegergrat zurück. So rückten sogar die nicht allzu motivierenden Beschreibungen im Kletterführer in den Hintergrund: „stellenweise fester Fels“, „meist brüchig, wenige feste Passagen“, „unübersichtlicher, als es von unten den Anschein macht“, „was für Rock´n´Roll-Alpinisten“, „schlecht absicherbar“ und „Fehleinschätzungen enden hier meist mit dem Heli“.

Birgit, Christoph und ich starteten am Samstagabend los und erreichten bei Einbruch der Dunkelheit den Wandfuß. Ruhig und mächtig ragte der Torstein in den Himmel während wir in unsere Schlafsäcke krochen, Sterne zählten und den Sternschnuppen geheime Wünsche nachschickten.

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Um fünf Uhr läutete der Wecker und kurz vor sechs Uhr standen wir bereits beim Einstieg der Tour. Topmotiviert tauschten wir Berg- gegen Kletterschuhe und kletterten los. Nach recht kurzer Zeit erwartete uns schon die erste schwierigere Stelle und wir beschlossen, das Seil auszupacken. Brüchiges Gestein, durchgehende Ausgesetzheit, oft schwierige Routenfindung, kaum Sicherungsmöglichkeiten – der Windlegergrat forderte uns alle ordentlich und so beschlossen wir, etwas weniger zu riskieren und mit Seil zu klettern. Das kostete uns natürlich viel Zeit und so entschieden wir, uns mit dem unteren Teil des Grates zufrieden zu geben und die Abseilpiste beim Gratfenster zu nützen.

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DSC00405Die Erleichterung war groß, als wir nach 11 Stunden endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatten und die schmerzenden Zehen aus den Kletterschuhen befreien konnten.

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Müdigkeit – Erleichterung, die Tour heil überstanden zu haben – Stolz, zumindest den unteren Teil des Grates bewältigt zu haben – Enttäuschung, nicht auf dem Gipfel gestanden zu seien – Herzrasen, bei den Gedanke an die ausgesetzte Kletterei und die zahlreichen brüchigen Stellen – Freude, so einen abenteuerlichen Tag erlebt zu haben – Glück, solche Kletterpartner zu haben – Dankbarkeit, in dieser Umgebung zu leben… all diese Emotionen begleiteten uns auf dem Abstieg ins Tal.

Während unmittelbar nach der Tour noch Phrasen tönten wie „so ein Bruchhaufen“, „das hat uns ordentlich Gas gegeben“, „wieso tut man sich das an??“ und „ich geh lieber wieder bouldern“, so hörte man ein paar Tage später schon wieder Meldungen wie „der obere Teil soll ja viel bessere Felsqualität haben“. „war schon ein genialer Tag“ und „wann holen wir uns den Gipfelsieg?“…

Genau 8 Tage später waren die Strapazen und der Angstschweiß vergessen und wir stapften gute 2,5 Stunden zum Einstieg des zweiten Teils hoch. Nasse Felsen, Schnee in der Wand und Temperaturen um den Gefrierpunkt hätten uns fast in die Flucht geschlagen, doch so schnell gaben wir nicht auf. Die ersten Seillängen wurden mit Handschuhen geklettert und auch die Bergschuhe ließen wir einfach an, bis der Tag langsam wärmer wurde. Der obere Teil des Grates hatte tatsächlich stellenweise besseren Fels als der untere Teil und so stellte auch die Kletterei meistens einen Genuss dar. Die Wegfindung fiel uns auch hier nicht immer leicht und die Kletterei zieht sich ordentlich in die Länge, aber nach 9 Stunden Kletterzeit standen wir schließlich überglücklich am Gipfel des Torsteins.

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Ausdauer statt Maximalkraft

Wenn wirklich alle Felsen nass sind, die Luft unangenehm schwül und die Hitze groß genug ist, dann tausche ich maximalkräftigen Boulder und Sportkletterrouten gegen ein bisschen Ausdauersport ein.

Hike 1 – Rotgschirr I Totes Gebirge

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Hike 2 – Gabler, Reichenspitze, Wildgerlosspitze I Zillertaler Alpen

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Bike 1 – Plassenrunde I Dachsteinmassiv

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Erstbegehung Bifurkation

Zur Erklärung woher die Namensgebung kommt:

Bifurkation ist eine qualitative Zustandsänderung in nichtlinearen Systemen unter Einfluss eines Parameters μ. Nichtlineare Systeme, deren Verhalten von einem Parameter abhängt, können bei einer Änderung des Parameters ihr Verhalten plötzlich ändern. Zum Beispiel kann ein System, dass zuvor einem Grenzwert zustrebte, nun zwischen zwei Werten hin und herspringen, also zwei Häufungspunkte aufweisen.

?????? Was soll den das sein? Die Bifurkation war Inhalt meiner letzten Prüfung auf der Uni und ich war am Beginn des Lernens genau so ideenlos wie beim Einrichten der Route. New school meets real rock!

Down Under Favorites

Bilder sagen mehr als 1000 Worte! Noch ein paar Schmankerl von Australien

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So you think you can dance? I Grampians

 

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Epsilon Crack I Grampians

 

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Andersons I Grampians

 

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Loopeys I Grampians

 

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Annagramma I Grampians

 

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Skyline I Sydney

 

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Trenchies I Sydney

 

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Palm Beach I Sydney

 

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Taipan Wall I Grampians

 

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Sunset at Mount Zero I Grampians

 

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Kindergarten I Grampians

 

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Spanking the monkey bars direct I Grampians

 

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Sissy crag I Sydney

Bouldern in Australien & die 3 wichtigen Fragen eines Klettertrips

Dass in Australien vieles anders ist als daheim war uns bewusst – Winter im Sommer und umgekehrt, Nordwände, die nicht die ungemütlichen Eigenschaften einer Nordwand aufweisen, Tiere, die sich hüpfend fortbewegen und von Autos magisch angezogen werden und solche, die mit ihrer Dosis Gift scheinbar 218.000 Mäuse töten können. Eines war aber bei unserem Bouldertrip in die Grampians und bei unserer Reise durch Down Under ganz genau wie bei anderen Kletterreisen auch: Die 3 essentiellen Fragen eines Klettertrips sind immer dieselben.

WO SCHLAFEN WIR? Nachdem wir es endlich doch noch geschafft haben, die unendlich hohe Kaution für das Mietauto zu hinterlegen, erwies sich der angemietete Campervan als fahrbares Luxusheim. Unsere Reiserouten hatten wir vor dem Start nur ungefähr festgelegt – sightseeing in Melbourne und Jetlag ausschlafen, bouldern im Grampians National Park, Fahrt entlang der Great Ocean Road und weiter bis Sydney und alles wieder retour zu den Grampians – mit dem Camper kein Problem und noble Übernachtungsplätze fanden sich immer. Australien ist groß genug um überall seinen Camper hinzustellen und keinen zu stören. Wird man doch einmal von einem Security mitten in Sydney in der Nacht aus dem Schlaf gerissen und vertrieben, so hilft einem dieser sogar danach einen passenderen Schlafplatz für die Nacht zu finden. Ungewohnt sind die sehr begrenzten Öffnungszeiten von Tankstellen am Land, da kann es schon mal passieren, dass man einen ungeplanten Übernachtungsstopp einlegen muss um nicht mit leerem Tank mitten im Nirgendwo zu enden.

WAS ESSEN WIR? An australischen Schmankerln, die unseren müden Körper nach einem anstrengenden Klettertag wieder auf Vordermann brachten, fehlte es keinesfalls. Kängurusteak, Vegemiteroll, Rotwein, richtig reife Avocados en masse,… – what’s not to like about that?

WO BOULDERN WIR? Mit Abstand die schwierigste der 3 Fragen, da der Südosten von Australien eine luxuriöse Auswahl an gutem Sandstein zu bieten hat. Der nördliche Teil der Grampians ist nach dem Buschfeuer von 2014 nun wieder zum Klettern geöffnet. Die Gebiete rund um den Mount Stapylton und den Hollow Mountain sind überschaubar aber beinhalten eine Unmenge an schwere Linien an super Fels und in wunderbarem Umfeld. 20 Meter Boulder im Höhlendach wie in der Hollow Mountain Cave oder Auflegerboulderei an den wellenförmigen Formationen des Kindergartens sind einzigartig. Als Alternative boulderten wir in Buandik, wo vor allem die harten Linien überwiegen.

Denkt man bei Sydney nur ans Opernhaus, die Harbour Bridge und Hochhäuser, so täuscht man sich. Innerhalb der Stadtgrenzen ist bester Sandstein zum Auspowern zu finden. Weniger steil als in den Grampians, aber von bester Qualität. Die von uns besuchten Gebiete Frontline, Trenchies und Sissy Crag lassen durch das Geschrei von Kakadus und Papageien ganz vergessen, dass man sich mitten in der Stadt befindet.

Ein Zwischenstopp am Weg von Sydney zurück in die Grampians führte uns noch in die Black Range im Hinterland von Canberra. Zur Abwechslung gibt es hier Graniteier, die versteckt im dichten australischen Wald liegen.

Nachdem es uns bei diesem Klettertrip so leicht viel, alle 3 wichtigen Fragen tagtäglich optimal zu beantworten, genossen wir die Zeit in Australien unglaublich und der Monat verging wie im Flug. Wer das unkomplizierte Reisen und geniale Sandsteinklettereien genauso liebt wie wir, dem sei ein Urlaub in Down Under wärmstens empfohlen!

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Climb, Eat, Sleep

Wo und was klettern wir? Was gibt’s heute zu Essen? Wo schlafen wir? Diese monumentalen Fragen werden unser Leben den kommenden Monat in Australien beherrschen.

Lange hatten wir Australien schon als Reiseziel auserkoren aber immer kam etwas dazwischen – unpassendes Zeitfenster mit zu viel Regen, andere spannende Reiseziele, Buschfeuer und daraus resultierende Sperre des Nationalparks. Jetzt geht’s wirklich los und wir sind gespannt wie Ammagamma, Cave Rave und die anderen Sandsteinfelsen in der Realität aussehen. Plan gibt es nur einen groben – Camper ausfassen in Melbourne, bouldern in den Grampians, eventuell surfen an der Great Ocean Road und weiter bis nach Sydney, dort die Boulderei in der Stadt anschauen, Blue Mountains und wieder zurück in die Grampians. Mal schauen was uns außer den Kängurus sonst noch über den Weg läuft…

Von zu Hause lässt sich nicht mehr allzu viel Neues berichten. Ich bin viel gebouldert und habe brav Matten geschleppt. Nebenbei noch fest an den Seilkletterprojekten angewerkt und versucht die zwei Hauptprojekte zu knacken. Die Form stimmt aber der Durchstieg lässt noch auf sich warten. Nach Australien geht’s dann bestimmt.

Schönen Frühling noch und bis bald

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Schönen Frühling noch und bis bald